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Bilderspaziergang
Lohmanns „touristischer Blick“

Der Name Lohmann ist untrennbar mit der touristischen Wahrnehmung des Ötztals verknüpft. Als „Hochgebirgs- und Gletscherfotograf“ hat Walter Lohmann (1903–1959) das Image des Ötztals mitgeprägt. Seine Söhne setzten seine Arbeit fort.1927 begab sich der in Mönchengladbach geborene Walter Lohmann zum ersten Mal nach Obergurgl und fing auf ausgedehnten Bergtouren fotografisch die spektakuläre Hochgebirgslandschaft ein. Weitere Besuche folgten. 1931 entschied er sich, im Ötztal sesshaft zu werden und gründete zusammen mit seinem Freund Hans Aretz aus Mönchengladbach die Firma Lohmann & Aretz in Oetz. Die Freunde teilten sich das Ötztal auf – Walter Lohmann und seine Söhne prägten mit ihrer fotografischen Arbeit nachhaltig das Bild des hinteren Ötztals von den 1930er bis zu den 1970er Jahren.

Walter Lohmanns Arbeit ist bekannt für Genauigkeit und Qualität. Für seine Aufnahmen unternahm er regelmäßig ausgedehnte Bergtouren. Bei anspruchsvolleren Unternehmungen wurde er vom Bergführer Ingenuin Schöpf (1902–1978) aus Obergurgl begleitet. Gemeinsam schleppten die beiden Männer Lohmanns stets hochmodernes Equipment – bestehend aus Kamera, Objektiven, Stativ und Fotoplatten – ins Hochgebirge. Seine Tochter Ruth berichtete, dass er auf qualitativ hochwertigstes Material setzte (und weniger bekannte Kamerahersteller als „Kellerfabrikate“ bezeichnete). Beim Fotografieren notierte er akribisch jedes Detail: Datum, Uhrzeit, Wetterbedingungen sowie technische Angaben wie Blende und Belichtungszeit. Wenn er oder seine wichtigste Kritikerin, seine erste Ehefrau Wilma Lohmann, unzufrieden waren, wurde das Bild unter anderen Wetterverhältnissen, bei anderem Licht oder aus einer anderen Perspektive erneut aufgenommen.

Die eindrucksvollen Werbefotografien waren in der Bewerbung des Ötztals omnipräsent: Lohmanns Fotografien zierten Broschüren und Magazine und sollten die Sehnsucht nach abenteuerlichen Urlauben in den Ötztaler Bergen wecken. Die Geschäftsstelle der Familie in Obergurgl wurde zum Treffpunkt von Gästen und Einheimischen. Neben Fotografie-Zubehör wurden dort auch Postkarten aus dem Verlag Lohmann & Aretz verkauft, die häufig in tausendfacher Auflage erschienen. Auf Lohmanns Postkarten und Prospektbildern spiegelte sich neben der Landschaft auch der technische Fortschritt der Infrastruktur und somit der Wandel von Bergbauerndörfern zu modernen Tourismuszielen wider – Sölden, Gurgl und Vent wurden fotografisch inszeniert und gleichzeitig als zeithistorische Quellen festgehalten.

Die Familienmitglieder erkannten rasch, dass humorvolle Fotomotive eine lukrative Einnahmequelle für die zahlreichen Gäste des Ötztals darstellten. Geschickt inszenierte Szenarien wie der präparierte Eisbär auf Skiern mit dem Logo von Lohmann & Aretz wurden geschaffen. Die Familie engagierte auch einen „Freilichter“, d.h. einen Fotografen, der tagsüber auf der Piste und gegebenenfalls abends bei Veranstaltungen Fotos von den Gästen machte. Diese Bilder wurden am folgenden Tag mit großer Begeisterung im Geschäft abgeholt.

Im Dezember 2023 wurde das gesamte Fotoarchiv der Familie Walter und Werner Lohmann von den Ötztaler Museen in den Gedächtnisspeicher übernommen. Wir laden ein, virtuell in unserem Archiv zu schmökern und Einblick zu nehmen in einige der schönsten touristischen Motive zwischen 1930 und 1950.
(Laura Kogler)