Eine umfangreiche postgeschichtliche Schenkung ging kürzlich an die Ötztaler Museen. Mit großer Freude durften wir die Privatsammlung von Mrs. Margaret Joyce Boyer aus Großbritannien übernehmen.
Als langjährige Besucherin des Ötztals sammelte sie über viele Jahre historische Ansichtskarten, Briefe, Poststempel und Dokumente aus dem Ötztal sowie aus den benachbarten Tälern Pitztal und Sellrain.
Die Sammlung umfasst über 680 sorgfältig dokumentierte Seiten, auf denen die Objekte nach Gemeinden sortiert angeordnet sind. Sie zeichnet die Entwicklung des Postwesens vom 19. Jahrhundert bis in die Moderne nach und gibt zugleich Einblicke in den Alltag der Menschen und den beginnenden Tourismus im Ötztal.
Joyce Boyer und ihr Ehemann lernten das Ötztal bereits Ende der 1960er-Jahre kennen. Ab 1974 verbrachten sie insgesamt 40 Urlaube in Oetz, das für sie zu einer zweiten Heimat wurde. Sie unternahmen viele Wanderungen, besuchten Berghütten und erkundeten mit dem Auto auch andere Orte in Tirol und Bayern.
In den 1970er-Jahren begann Joyce, österreichische Briefmarken zu sammeln. Später spezialisierte sie sich auf die Postgeschichte des Ötztals. Sie sammelte alte und neue Briefe, Poststempel und Postkarten und besuchte dafür zahlreiche ehemalige und noch bestehende Postablagen und Postämter. Mit Unterstützung österreichischer Philatelisten konnte sie ihre Sammlung nach und nach erweitern.
Joyce und ihr Ehemann wohnten während ihrer Aufenthalte zunächst viele Jahre in der Pension Olympia und später im Posthotel Kassl. Ihren letzten Urlaub in Oetz verbrachten sie 2018. Wegen des Alters ihres Mannes, der Pandemie und seines späteren Todes konnte Joyce nicht mehr persönlich zurückkehren.
Da niemand in ihrer Familie Interesse an der Briefmarkensammlung hatte und es immer weniger spezialisierte Sammler gab, entschied Joyce, die Sammlung den Ötztaler Museen zu schenken.
- Joyce Boyer in den späten 1970ern in Vent
- Vor der Amberger Hütte in den 1980ern
Eine kleine Postgeschichte des Ötztales von Sautens bis nach Vent
Das Postamt in Sautens öffnete am 13. Februar 1902 als letztes im Tal. Da damals noch wenige Dorfbewohner lesen und schreiben konnten, sind frühe Poststempel sehr selten. Ein besonderes Stück ist ein Paketbegleitschein aus dem Jahr 1905 für ein 17 Kilogramm schweres „Bagel Kleider“, also ein Paket mit Kleidern.
Der älteste Beleg der Sammlung zur Postablage in Oetz ist ein Brief vom 17. Dezember 1869 an „Seine Hochwürden H. Josef Schneller“. Bevor es direkte Postrouten gab, musste die Post weite Umwege zurücklegen: Der Brief wurde zuerst nach Silz gebracht, reiste mit der Pferdepost Richtung Imst und schließlich über den Fernpass nach Reutte.
Alte Correspondenz-Karten aus Oetz erzählen auch von Veränderungen bei Währung und Porto. Am 1. Januar 1900 wurden aus Kreuzern Heller. Eine Inlandspostkarte kostete nun fünf Heller, eine einfache Drucksache mit weniger als fünf Wörtern drei Heller.
Ein Einschreibebrief von Oetz nach Wien aus dem Jahr 1946 zeigt die strenge Kontrolle der Post nach dem Zweiten Weltkrieg. Tirol stand damals unter französischer Besatzung. Der Brief wurde in Innsbruck geöffnet, geprüft, mit einem augenförmigen Zensurstempel versehen und mit grünem „Contrôle“-Klebeband wieder verschlossen.
Ein noch älterer Brief stammt aus Umhausen. Da es dort 1823 noch kein Postamt gab, musste der Absender Anton Marberger ihn durch einen Boten über 30 Kilometer weit zur Poststation nach Obermieming bringen lassen. Von dort ging es über den Brenner zu einem Kaufmann nach Verona. Die Kosten für die Weiterbeförderung bezahlte der Empfänger.
Längenfeld erhielt am 1. November 1862 ein eigenes Postamt. Der erste Postmeister Joseph Stippler brachte die Post zunächst zweimal wöchentlich nach Umhausen. Nach der Eröffnung des Postamtes in Sölden im Jahr 1868 musste er zusätzlich die Sendungen aus Sölden übernehmen und an sechs Tagen in der Woche weitertransportieren. Kleinere Postablagen, wie jene in Gries ab 1901, banden später auch entlegene Weiler an das Postnetz an.
Anhand historischer Ansichtskarten lässt sich auch die Entwicklung Söldens nachvollziehen: vom ruhigen Alpendorf, das vor allem von Bergsteigern besucht wurde, zum bekannten Alpinzentrum. Paketkarten mit dem Aufdruck „Deutschösterreich“ erinnern an die Zeit nach dem Zerfall des Kaiserreichs 1918. Erst 1922 kehrte der offizielle Name „Österreich“ zurück.
Im hinteren Ötztal war die Postversorgung stark vom Wetter abhängig. Vent besaß lange Zeit nur ein Sommerpostamt. Zeitweise gab es sogar zwei Poststellen: Eine im Dorf und eine beim Hochjoch-Hospiz auf 2.413 Metern Höhe. Ein Paketbegleitschein mit dem doppelköpfigen Kaiseradler und eine Quittung aus dem „Gasthaus zum Curaten“ erzählen von dieser Zeit.
Auch Obergurgl erhielt im Juli 1901 zunächst ein Sommerpostamt. Dieses wurde 1929 durch eine Postablage ersetzt, bevor im Dezember 1930 ein Ganzjahrespostamt eingerichtet wurde. Die seltenen Rautenstempel aus den Jahren 1902, 1903 und 1905 gehören heute zu den gesuchtesten Stücken der Tiroler Postgeschichte.
Die Sammlung Joyce Boyer zeigt damit nicht nur die Entwicklung des Postwesens im Ötztal. Briefe, Karten, Stempel und Paketbegleitscheine erzählen auch davon, wie Menschen, Nachrichten und Waren ihren Weg durch das Tal fanden.
(Annine Seebacher)
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Ein Postbote mit Ledertasche steht neben einem Postkasten.
Der wahre Charme der Karte zeigt sich aber, wenn man die Brieftasche öffnet.
- Diverse Poststempel der Postablage Station Oetzthal am Ötztal Bahnhof
- Paketbegleitschein aus dem Jahr 1905 über ein „Bagel Kleider“ (Paket Kleider) mit 17 kg.
- Ein Brief vom 17. Dezember 1869, gerichtet an „Seiner Hochwürden H. Josef Schneller“ ist der älteste der Sammlung zur Postablage in Oetz.
- Alte Correspondenz-Karten, adressiert in schwungvoller Kurrentschrift von Oetz über Inzing nach Wien und Prag.
- Ein Einschreibe-Brief von Oetz nach Wien vom 26. März 1946, versehen mit grünem Klebeband („Contrôle“) und einem augenförmigen Zensur-Stempel.
- Ein historischer Brief mit dem Vermerk „v. Umhausen“ an einen Kaufmann in Verona (Lombardei/Norditalien).
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Längenfeld erhielt am 1. November 1862 sein Postamt.
Der erste Postmeister Joseph Stippler musste die Post zweimal wöchentlich nach Umhausen transportieren.
- Stempelabdrucke und violette Cachets der „K.K. Postablage GRIES im Ötzthal“ sowie Karten an Sanatorien und Vereinsbuchhandlungen.
- Ansichtskarten aus Sölden aus den Jahren 1895, 1903 und 1908.
- Paketkarten der Republik „Deutschösterreich“ aus der Zeit direkt nach dem 1. Weltkrieg.
- Ein Paketbegleitschein des k.k. Post- und Telegraphenamtes Vent mit dem doppelköpfigen Kaiseradler-Siegel.
- Quittung vom „Gasthaus zum Curaten“ unterschrieben vom kraten und Fotografen Josef Georg Thöni.
- Stempel der Postablage des Hochjoch-Hospitz.
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Eine Ansichtskarte von 1904, die das Pfarrdorf Obergurgl zeigt.
Sie trägt das Stempel-Cachet des Pfarrhauses und ist adressiert an eine Pfarrers-Haushälterin bei Berlin.
- Rauten-Stempel des Sommer-Postamtes Gurgl von 1902, 1903 und 1905.

















