Im Zuge einer Kooperation mit dem Museum Europäischer Kulturen (MEK) in Berlin zur Ausstellung „Die Berge Tirols“ wurde uns eine Fotoserie von Erika Groth-Schmachtenberger zur Verfügung gestellt. Zu sehen sind Aufnahmen aus dem Ötztal der 1940er Jahre.
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Diese Bilder dieser Sammlung zeigen Aufnahmen aus der Zeit des Nationalsozialismus. Jeglicher Missbrauch der Bilder, insbesondere die Verwendung der Bilder zur Verbreitung nationalsozialistischen Gedankenguts, wird straf- und zivilrechtlich verfolgt.
Erika Groth-Schmachtenberger (1906–1992) war Bild- und Fotojournalistin. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts arbeitete sie für Zeitschriften, Illustrierte und Verlage. Dazu war sie in Deutschland und vielen europäischen Ländern sowie in Übersee unterwegs. Ihr Schwerpunkt galt der Dokumentation des ländlichen Lebens und des Brauchtums.
Geboren 1906 als Tochter eines Lehrers in Freising, begann sie 1928 in einem Fotostudio in Tannheim zu arbeiten. 1930–1932 besuchte sie die Bayerische Lehranstalt für Lichtbildwesen in München und machte sich danach mit einem kleinen Porträtatelier in München selbstständig. Ab 1933 arbeitete sie als „Bildberichterstatterin“ bei verschiedenen Illustrierten und Zeitschriften. In dieser Zeit entstanden Reise-Reportagen, Landschaftsfotos und Aufnahmen von Festen, Bräuchen, von Handwerk, von bäuerlichem Leben und zahlreiche Reportagen in Deutschland, Österreich, Ungarn, Jugoslawien, Rumänien, Italien, Spanien und anderen Ländern.
Das Werk von Erika Groth-Schmachtenberger ist für Forschung und Öffentlichkeit als historische Dokumentation des Alltagslebens, vor allem auf dem Land, von Bedeutung. Im Gegensatz zur künstlerischen, privaten oder kulturhistorischen Fotografie sind Erika Groth-Schmachtenbergers Arbeiten als „öffentliche Fotografie“ einzustufen: die Auswahl der Motive und deren Bearbeitung waren von ihrer kommerziellen Verwertung im Journalismus und somit vom Publikumsgeschmack bestimmt. So waren viele Fotos für Erika Groth-Schmachtenbergers Fotoreportagen gestellt: Sie gab Regieanweisungen, um typisierende und idyllische Motive einzufangen. Die technische und industrielle Entwicklung blendete Groth-Schmachtenberger dabei vorwiegend aus, so dass die Bilder ein scheinbar vorindustrielles Zeitalter abbilden. Ihr Blick galt der Tradition und dem Konservativen. 1991 sagte Groth-Schmachtenberger in einem Interview im Bayerischen Rundfunk: „[…] denn das Historische ist das Wichtige, dass die nächste und übernächste Generation was davon weiß.“1
Der Kulturwissenschaftler Achim Johann Weber hält fest, dass keine spürbare und offensichtliche Nähe zur „volkstümlichen“ Voreingenommenheit des Nationalsozialismus in Groth-Schmachtenbergers Fotografien nachweisbar sei.
Dennoch war Erika Groth-Schmachtenberger aufgrund des „Schriftleitergesetzes“ vom 4. Oktober 1933 (zwangsweise) Mitglied im Reichsverband der Deutschen Presse (RDP) und durfte ab 1935 aufgrund ihrer „arischen Abstammung“, ihrer beruflichen Ausbildung und weltanschaulichen Eignung als eine von insgesamt 444 ausgesuchten Journalist(inn)en ihre Tätigkeit weiterhin ausüben. Verbunden war mit der Tätigkeit als Bildberichterstatterin die persönliche Verpflichtung, sich der Propagandamaschinerie des Dritten Reiches zur Verfügung zu stellen. Viele Reporter und Herausgeber, die sich dagegen wehrten, oder in ihren Zeitschriften einen regimekritischen Ton anschlugen, wurden kurzerhand aus den Redaktionen und leitenden Positionen entfernt oder gaben ihren Beruf freiwillig auf. Die Lücken, die sich dadurch in den Verlagen auftaten, wurden rasch mit neuen und hoffnungsvollen Aspiranten aufgefüllt, zu denen nicht zuletzt auch Erika Schmachtenberger selbst gehörte. Insofern war sie – gewollt oder umständehalber – zu einer politisch Agierenden im faschistischen Deutschland der beginnenden 1930er Jahre geworden.2
Die nachfolgende Serie von Fotografien aus dem Ötztal des Jahres 1943 folgt also zweifelsohne der ästhetischen Bilderideologie des Regimes bzw. stellt eine Flucht in eine zumindest vordergründig unpolitische Heimat und Landschaftsfotografie dar. Auf den ersten Blick unschuldige Zeugnisse des ländlichen Lebens, folgen die Darstellungen einer propagandistisch-ideologisch verbrämten volkskundlichen Linienführung. Brauchtumsvereine wie die Tiroler Schützen, hier anlässlich eines Trachtenfestes in Innsbruck 1938 fotografiert, aber auch Frauen in ländlichen Trachten waren in der NS-Zeit populäres Bildmaterial in den gleichgeschalteten Medien und wurden massenhaft verbreitet.3
Nach 1945 arbeitete Groth-Schmachtenberger als Fotoreporterin daran, den Neuanfang im Nachkriegsdeutschland zu dokumentieren. Da sie eine Frau und keine überzeugte Parteigängerin der Nationalsozialisten gewesen war, überstand sie die Entnazifizierung problemlos und war bereits im Sommer 1945 wieder als Fotografin beruflich tätig. Für ihr Lebenswerk wurde Erika Groth-Schmachtenberger 1987 das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse verliehen. 1988 beendete sie ihre Tätigkeit als Fotografin um sich der geordneten Auflösung ihres Nachlasses zu widmen. Ihren eigenen Aussagen zufolge umfasst ihr Werk 300.000 Negative und 60.000 Farbdias. Heute ist dieser Nachlass auf 40 verschiedene Institutionen verteilt.2
Die nachfolgend gezeigten Fotografien von Erika Groth-Schmachtenberger illustrieren den nationalsozialistischen Blick auf das Ötztal im Deutschen Reich und werden daher mit einem Warnhinweis versehen wiedergegeben.
Alle Fotografien wurden freundlicherweise zur Verfügung gestellt vom Museum Europäischer Kulturen, Berlin.
(Edith Hessenberger)
1 Süselbeck, Kirsten: Die Fotosammlung Groth-Schmachtenberger. In: Honhoff, Ulrich/Stoll, Peter/Kosuch, Andreas (Hg.) „Ein Reichtum, den kein Maß bestimmen kann“: die Sondersammlungen der Universitätsbibliothek Augsburg. Augsburg 2021. S. 342–56.
2 Weber, Achim Johann: Erika Groth-Schmachtenberger (1906–1992): Augenblicke in Schwarzweiß. Porträtversuch einer großen bayerischen Fotografin anlässlich ihres 100. Geburtstages. In: Doering-Manteuffel, Sabine (Hg.): Augsburger Volkskundliche Nachrichten: 01/2006. S. 29–65.
3 Hessenberger, Edith / Sauermann, Verena / Rupnow, Dirk (Hg.): NS-Zeit im Ötztal. (= Ötztaler Museen Schriften Bd. 13) Innsbruck 2025.
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„Tiroler mit den Veteranen-Fahnen aus dem Sellraintal und dem Ötztal 1938“.
Bestand Groth-Schmachtenberger / Tirol @ Museum Europäischer Kulturen, Berlin / Erika Groth-Schmachtenberger
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„Tirolerin in Ötztaler Tracht 1937“.
Bestand Groth-Schmachtenberger / Tirol @ Museum Europäischer Kulturen, Berlin / Erika Groth-Schmachtenberger
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„Zwei aus dem Ötztal in Tracht anlässlich eines Trachtenfests in Innsbruck unter den Lauben, 1938“.
Bestand Groth-Schmachtenberger / Tirol @ Museum Europäischer Kulturen, Berlin / Erika Groth-Schmachtenberger
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„Ötztaler Schützen mit ihrer Fahne ziehen durch Innsbruck“.
Bestand Groth-Schmachtenberger / Tirol @ Museum Europäischer Kulturen, Berlin / Erika Groth-Schmachtenberger
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„Friedhof in Sölden 1941“.
Bestand Groth-Schmachtenberger / Tirol @ Museum Europäischer Kulturen, Berlin / Erika Groth-Schmachtenberger
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Ötztaler Bauer aus Umhausen 1941.
Bestand Groth-Schmachtenberger / Tirol @ Museum Europäischer Kulturen, Berlin / Erika Groth-Schmachtenberger
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Bildstock im Rettenbachtal bei Sölden 1942.
Bestand Groth-Schmachtenberger / Tirol @ Museum Europäischer Kulturen, Berlin / Erika Groth-Schmachtenberger
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Ötztal 1942.
Bestand Groth-Schmachtenberger / Tirol @ Museum Europäischer Kulturen, Berlin / Erika Groth-Schmachtenberger
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Ziegenherde in Niederthai 1943.
Bestand Groth-Schmachtenberger / Tirol @ Museum Europäischer Kulturen, Berlin / Erika Groth-Schmachtenberger
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Ziegenherde in Niederthai 1943.
Bestand Groth-Schmachtenberger / Tirol @ Museum Europäischer Kulturen, Berlin / Erika Groth-Schmachtenberger
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Ziegenherde in Niederthai 1943.
Bestand Groth-Schmachtenberger / Tirol @ Museum Europäischer Kulturen, Berlin / Erika Groth-Schmachtenberger
- Ziegenherde in Niederthai 1943, im Hintergrund das Symbol der NS-Volkswohlfahrt auf der Hausfassade
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Kitze in Niederthai 1943.
Bestand Groth-Schmachtenberger / Tirol @ Museum Europäischer Kulturen, Berlin / Erika Groth-Schmachtenberger
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Ziegenhirt mit Herde in Niederthai 1943.
Bestand Groth-Schmachtenberger / Tirol @ Museum Europäischer Kulturen, Berlin / Erika Groth-Schmachtenberger
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Verwendung von Kunstdünger in Niederthai 1943.
Bestand Groth-Schmachtenberger / Tirol @ Museum Europäischer Kulturen, Berlin / Erika Groth-Schmachtenberger
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Verwendung von Kunstdünger in Niederthai 1943.
Bestand Groth-Schmachtenberger / Tirol @ Museum Europäischer Kulturen, Berlin / Erika Groth-Schmachtenberger
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Verwendung von Kunstdünger in Niederthai 1943.
Bestand Groth-Schmachtenberger / Tirol @ Museum Europäischer Kulturen, Berlin / Erika Groth-Schmachtenberger
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Verwendung von Kunstdünger in Niederthai 1943.
Bestand Groth-Schmachtenberger / Tirol @ Museum Europäischer Kulturen, Berlin / Erika Groth-Schmachtenberger
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Erdäpfelernte in Sölden 1941.
Bestand Groth-Schmachtenberger / Tirol @ Museum Europäischer Kulturen, Berlin / Erika Groth-Schmachtenberger
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Erdäpfelernte in Sölden 1941.
Bestand Groth-Schmachtenberger / Tirol @ Museum Europäischer Kulturen, Berlin / Erika Groth-Schmachtenberger
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Erdäpfelernte in Sölden 1941.
Bestand Groth-Schmachtenberger / Tirol @ Museum Europäischer Kulturen, Berlin / Erika Groth-Schmachtenberger
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Erdäpfelernte in Sölden 1941.
Bestand Groth-Schmachtenberger / Tirol @ Museum Europäischer Kulturen, Berlin / Erika Groth-Schmachtenberger
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Erdäpfelernte in Sölden 1941.
Bestand Groth-Schmachtenberger / Tirol @ Museum Europäischer Kulturen, Berlin / Erika Groth-Schmachtenberger
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Erdäpfelernte in Sölden 1941.
Bestand Groth-Schmachtenberger / Tirol @ Museum Europäischer Kulturen, Berlin / Erika Groth-Schmachtenberger
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Erdäpfelernte in Sölden 1941.
Bestand Groth-Schmachtenberger / Tirol @ Museum Europäischer Kulturen, Berlin / Erika Groth-Schmachtenberger
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Erdäpfelernte in Sölden 1941.
Bestand Groth-Schmachtenberger / Tirol @ Museum Europäischer Kulturen, Berlin / Erika Groth-Schmachtenberger
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Männer in Sölden 1941.
Bestand Groth-Schmachtenberger / Tirol @ Museum Europäischer Kulturen, Berlin / Erika Groth-Schmachtenberger
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Haus in Sölden 1941.
Bestand Groth-Schmachtenberger / Tirol @ Museum Europäischer Kulturen, Berlin / Erika Groth-Schmachtenberger
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Ernte Umhausen 1941.
Bestand Groth-Schmachtenberger / Tirol @ Museum Europäischer Kulturen, Berlin / Erika Groth-Schmachtenberger
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Kornernte Sölden 1941.
Bestand Groth-Schmachtenberger / Tirol @ Museum Europäischer Kulturen, Berlin / Erika Groth-Schmachtenberger
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Kornernte Sölden 1941.
Bestand Groth-Schmachtenberger / Tirol @ Museum Europäischer Kulturen, Berlin / Erika Groth-Schmachtenberger
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Kornernte Sölden 1941.
Bestand Groth-Schmachtenberger / Tirol @ Museum Europäischer Kulturen, Berlin / Erika Groth-Schmachtenberger
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Sölden 1941.
Bestand Groth-Schmachtenberger / Tirol @ Museum Europäischer Kulturen, Berlin / Erika Groth-Schmachtenberger
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Träger für die Filmaufnahmen „Der Meineidbauer“ Sölden 1941.
Bestand Groth-Schmachtenberger / Tirol @ Museum Europäischer Kulturen, Berlin / Erika Groth-Schmachtenberger

































