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Frauen im Tourismus
Forschungsprojekt 2026-2030

Das Ötztal zählt zu den stärksten Tourismusdestinationen Österreichs. Seit mehr als 150 Jahren prägt das Phänomen das Tal. Die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen haben viele Aspekte, häufig ist das gebräuchliche Narrativ jedoch eine vorwiegend männliche Erfolgserzählung.

Viele Aspekte der Ötztaler Tourismusgeschichte sind gut dokumentiert und über das Tal hinaus bekannt. Die Rolle der Frauen in dieser 150-jährigen Geschichte, ihre Situation in der Gegenwart, und nicht zuletzt ihre Perspektive auf das Berufsfeld Tourismus sind allerdings bislang kaum sichtbar geworden. Die Narration fokussiert auf eine überwiegend männliche Erfolgsgeschichte – verschiedene kleinere Anekdoten und Quellen weisen allerdings darauf hin, dass diese Narration ergänzt werden muss. Zudem soll der Fokus weg von Erfolgsgeschichten und hin zu einer kulturwissenschaftlichen, sowie sozial- und wirtschaftshistorischen Betrachtung dieser für das gesamte Bundesland wichtigen Entwicklungen gelenkt werden.

Die Ötztaler Museen führen daher von 2026 bis 2030 ein mehrjähriges Schwerpunktprojekt zum Thema „Frauen im Tourismus im Ötztal“ durch. Ziel ist es, die Rolle von Frauen im regionalen Tourismussektor sowohl historisch als auch gegenwärtig zu erforschen. In der ersten Projektphase werden wissenschaftliche Untersuchungen durchgeführt und Ergebnisse auf einem Symposium präsentiert. In der zweiten Phase fließen die Erkenntnisse in Publikationen, Ausstellungen und begleitende Rahmenprogramm-Veranstaltungen ein. Das Schwerpunktprojekt stützt sich auf mehrere Kooperationen.

  1. Interreg-Projekt: Frauen verschieben Grenzen

Zum einen wird in Kooperation mit dem DAM (Dokumentationsarchiv Migration des ZeMiT) über ein Interreg-Kleinprojekt das Teilprojekt „Frauen verschieben Grenzen – Weibliche Arbeitsmigration im Tourismus“ umgesetzt. Die Forschungen werden als Auftrag an ein Forschungsteam rund um Mag. Christina Hollomey-Gasser vergeben. Forschungsgegenstand sind historische und aktuelle Biografien von Frauen, die im Ötztaler Tourismus tätig sind oder waren, sowie die damit verbundenen Formen von Arbeitsmigration.

Im 20. Jahrhundert erlebte der Tourismussektor im Ötztal einen rasanten Aufschwung, der schnell zu Arbeitskräftemangel führte. In den 1960er und 1970er Jahren wurden zunächst Arbeitskräfte aus der Türkei und Jugoslawien angeworben, ergänzt durch Binnenmigration aus Kärnten und der Steiermark. Mit der politischen Öffnung Osteuropas kamen später zunehmend Menschen aus Ostdeutschland und anderen osteuropäischen Ländern hinzu.

Das Projekt dokumentiert diese Entwicklungen anhand von Lebens- und Arbeitsbiografien. Im Mittelpunkt stehen Frauen, die oft in unsichtbaren Tätigkeiten wie Wäscherei, Küche, Zimmerreinigung oder Hauswirtschaft beschäftigt waren. Ziel ist es, ihre Erfahrungen, Hoffnungen, Arbeitsbedingungen und sozialen Netzwerke sichtbar zu machen. Die historische Analyse wird ergänzt durch den grenzüberschreitenden Vergleich: Migrationserfahrungen aus dem Vinschgau und dem Engadin werden in die Untersuchung einbezogen, um strukturelle Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der weiblichen Arbeitsmigration zu identifizieren.

Das Projekt erstellt 20 qualitative Videointerviews mit Frauen verschiedener Generationen, die durch Arbeitsmigration ihren Weg ins Ötztal fanden. Daraus werden biografische Profile erstellt, die wirtschaftliche Strukturen, Arbeitsbedingungen und zwischenmenschliche Beziehungen beleuchten. Die Ergebnisse werden in einem Forschungsbericht zusammengefasst, der sowohl in regionale Archive eingeht als auch in Publikationen und Ausstellungen einfließt.

  1. Kooperation mit den Empirischen Kulturwissenschaften der Uni Innsbruck

In enger Zusammenarbeit mit Univ.-Prof. Dr. Silke Meyer vom Institut Empirische Kulturwissenschaften der Uni Innsbruck werden auch Studierende in die Forschungsarbeiten eingebunden. Mehrere aufeinander aufbauende Lehrveranstaltungen thematisieren zunächst eine Einführung in die Tourismusgeschichte, sowie in Folge ein Eintauchen in Gender-Fragen rund um die Tourismusbranche am Beispiel des Ötztals.

In Kooperation mit der Universität Innsbruck, dem Vintschger Museum VUSEUM und dem Universitätszentrum Obergurgl ist darüber hinaus im April 2029 ein zweitägiges Symposium zum Thema “Frauen im Tourismus im Ötztal” vorgesehen. Im Rahmen dieser öffentlichen Tagung werden die (Zwischen-)Ergebnisse aller Forschungsarbeiten vorgestellt und es gibt Raum für Austausch, Fragen und Impulse.

  1. Vermittlung: Publikation / Ausstellungen / Veranstaltungen

Die Forschungsarbeiten werden vom Herausgeber-Team zu einem Sammelband zusammengestellt, dieser soll im Frühjahr 2030 erscheinen. Auch stellen die Forschungsinhalte die Grundlage für ein bis zwei Ausstellungen dar, die in den Ötztaler Museen Platz finden. Die Ausstellungen werden begleitet von einem vielseitigen Rahmenprogramm, das ein möglichst breites Publikum erreichen soll.