In den vergangen vier Jahren wurde im Ötztal ein umfangreiches Forschungs- und Vermittlungsprojekt zur NS-Geschichte des Tales umgesetzt. 2026 sollen darauf aufbauend Erinnerungsorte geschaffen werden. 21 Schülerinnen und Schüler der HTL haben heute ihre Entwürfe präsentiert.
Der Themenschwerpunkt “NS-Zeit im Ötztal” wurde 2025 in Form von fünf Ausstellungen, einem Sammelband mit 27 Beiträgen, einer Graphic Novel, einem Audioguide an 15 Stationen im gesamten Tal und rund 30 themenbezogenen Veranstaltungen möglichst breit angeboten. Die Ausstellungen werden, sofern sie nicht ohnehin als bleibende Angebote im öffentlichen Raum konzipiert sind, auf das Jahr 2026 verlängert. In diesem Jahr wird aufbauend auf diesen Projekten einer wiederkehrenden Frage rund um das Thema “Erinnerungskultur” begegnet, nämlich der Frage: Was bleibt, wenn diese Ausstellungen weg sind?
Die Ausstellung AUF DEN ZWEITEN BLICK von Elias Holzknecht hat diese Frage besonders deutlich gemacht. Der Künstler hat Orte mit NS-Geschichte fotografiert und die fehlende Erinnerungskultur dokumentiert. Holzknechts Bilder werfen die Fragen auf: Darf in einem ehemaligen Zwangsarbeiterlager unkommentiert geschaukelt und gerutscht werden? Soll an einer Schule vergessen bleiben, dass hier die Mütter vor 80 Jahren Widerstand leisteten, indem sie geschlossen für den Religionsunterricht kämpften? Wie wollen wir uns nachhaltig daran erinnern, dass im Sulztal einst drei amerikanische Spione ihr Leben riskierten, um eine Ende des Krieges in Tirol herbeizuführen?
2026 sollen im Rahmen eines talweiten Projektes Erinnerungzeichen geschaffen werden. Nachdem die Forschungsarbeiten die Zeitgeschichte des Tales wieder zugänglich gemacht haben, braucht es eine niederschwellige Brücke im öffentlichen Raum, um auf die historischen Ereignisse hinzuweisen. Grundlage soll der bereits 2025 entstandene Audioguide sein, der am Beispiel von 15 Orten im Tal die Ereignisse in der NS-Zeit nachvollziehbar macht: https://oetztalermuseen.at/audioguide-ns/

Die 5. Klasse der HTL Imst im Zweig Innenarchitektur, Raum- & Objektgestaltung bei der Ausstellung “AUS UNSERER MITTE” bei Maria Schnee in Umhausen.
Projekt: Erinnerung gestalten
Diese Arbeit soll nicht im Rahmen eines Auftrags, sondern als kreativer Prozess mit möglichst vielen jungen Beteiligten erfolgen. Im Rahmen einer Kooperation mit der HTL Imst wird dieses Projekt gemeinsam mit dem Museumsteam und einer 5. und einer 4. Klasse umgesetzt. In einem ersten Schritt wurde die 5. Klasse im November 2025 im Rahmen dislozierten Unterrichts durch die Ausstellungen im Ötztal geführt und machte sich anschließend in Form eines Workshops mit dem Thema und dem Projekt vertraut.
In den darauffolgenden Wochen erarbeitete die 5. Klasse in Zweier-Gruppen 10 Entwürfe für ein Erinnerungszeichen, das an allen ausgewählten Orten funktioniert. Diese Entwürfe wurden am Papier ausgearbeitet und nun am 23. Jänner einer Jury vorgelegt, die über das Siegerprojekt entschied. Die sechsköpfige Jury setzte sich aus dem Klassenvorstand und Historiker DDDr. Jakob Schiechtl, dem Architekten DI Mathias Gritsch, Museumsleiterin Dr. Edith Hessenberger, Museumsvermittlerin Laura Kogler, Bgm. DI Hansjörg Falkner sowie Bgm. Bernhard Gritsch zusammen. Geleitet wird das Projekt an der HTL Imst von AV DI Günther Schwarz und DI Martin Gamper. Prämiert wurden drei Siegerprojekte, eines davon wurde für die Umsetzung ausgewählt. Die Produktion aller Erinnerungszeichen wird im Sommersemester 2026 von der 4. Klasse übernommen.
Das prämierte Projekt wurde von Klaus Mungenast, Nicolai Ruetz und Vincenz Sonderegger entwickelt, es überzeugte mit seiner schlichten Gestaltung und gleichzeitigen Stärke der Aussage. Die Jury bedankt sich bei allen 21 Schülerinnen und Schülern für die hervorragenden Ideen und Entwürfe und gratuliert den drei Siegern herzlich.

Freuen sich auf die Umsetzung (v.l.): Bgm. Bernhard Gritsch, Bgm. Hansjörg Falkner, Nicolai Ruetz, Klaus Mungenast, Vincenz Sonderegger und Edith Hessenberger.

Die 5. Klasse des HTL-Zweigs Innenarchitektur, Raum- & Objektgestaltung, gemeinsam mit der Jury, v.l. DDDr. Jakob Schiechtl, DI Mathias Gritsch, Dr. Edith Hessenberger, Laura Kogler, Bgm. DI Hansjörg Falkner, Bgm. Bernhard Gritsch. Projektleiter: AV DI Günther Schwarz und DI Martin Gamper