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Bilderspaziergang
Hilbers Landschaften und Porträts

Hans Hilber war akademischer Maler und kam durch die Heirat mit Marianne Strigl, einer Nichte der „Tuifelemalerinnen“ Therese und Antonia Strigl, ins Ötztal. In Sautens lebte er vom Malen und vom Betreiben einer Pension. Er malte meist Landschaften und Porträts in Öl mit starkem Ausdruck und in freundlichen Farben.

Hans Hilber (1887–1967) wurde in Mils bei Hall geboren, seine Eltern waren Johann Hilber (Privatier) und Elisabeth geb. Weiss. Hilber besuchte Schulen in Innsbruck und war beeindruckt vom Stil des Tiroler Malers Alfons Siber (1860–1919). Hilber studierte von 1905 bis 1912 an der Akademie der bildenden Künste in München bei Gabriel von Hackl, Carl von Marr und Martin Feuerstein. Er kam dort mit moderneren Richtungen der Malerei in Kontakt, die aber keinen großen Einfluss auf ihn hatten. Im ersten Weltkrieg war er als Kriegsmaler tätig und hielt das Geschehen in Galizien, in Russland und in Italien in Bildern fest.

Nach dem ersten Weltkrieg verstarben seine erste Frau, Maria Reich, und seine Tochter an Tuberkulose. Hilber malte Landschaften, durchstreifte dafür auch das Ötztal. Er fertigte, meist auf Öl und in freundlichen Farben, fast naturgetreue Darstellungen der Landschaften an. Beeinflusst wurde er, wie fast alle Tiroler Maler:innen dieser Zeit, von Albin Egger-Lienz. Immer wieder bekam er aber auch Aufträge für Porträts, in Deutschland und der Schweiz, und konnte damit Geld einnehmen.

Er lernte im Ötztal seine zweite Frau, Marianne Strigl (1883–1981) kennen, selbst Kunstmalerin und eine Nichte von Therese Strigl (Mariannes Eltern waren Gottfried und Johanna Strigl, geb. Köttner). Sie heirateten 1926 und bekamen eine Tochter (Gisela, geb. 1926). Hilber zog nach Sautens und führte dort neben seiner Arbeit als Maler und Bildhauer mit seiner Familie die Fremdenpension „Haus Gisela“, die sie nach ihrer Tochter benannten. Seine Stärke legte er vor allem in die Porträtmalerei und ins Malen von bodenständig-bäuerlichen Genrebildern. Er fertigte auch religiöse Wandmalereien und bildhauerische Arbeiten, etwa Kriegerdenkmäler in Kolsass, Sautens und Weer.

Gertrud Pfaundler-Spat (1930–2010, Musikwissenschaftlerin und Schriftstellerin), urteilt über Hilber wie folgt: er sei „keineswegs ein Neuerer oder ein sehr origineller Künstler“ gewesen, er habe sich „in manchen seiner Trachten-, Militär- und Genrebilder[n] bedenklich dem ‚Blut und Boden‘-Stil“ genähert. Aber er habe doch als „solider Handwerker manch gute Landschafts- und Tierbilder sowie Porträts gemalt, die heute noch Beachtung verdienen.“ Auch Klaus Hagen (Zeithistoriker an der Uni Innsbruck) erinnert an Hilber in der NS-Zeit. Im Sammelband “NS-Geschichte im Ötztal” heißt es: Hilber habe sich – wie die meisten Kulturschaffenden – stilistisch an das damals propagierte Kunstideal der Nazis angepasst.

(Verena Sauermann, mit Dank an Klaus Steiner)