zurück zur Übersicht

Das Gletscherrad. Geschichten von der Grenze und aus dem Eis

Der Fund eines Fahrrades in der Nähe der österreichisch-italienischen Grenze, das auf 3.000 Meter Höhe aus dem Gletscher ausgeapert gefunden wurde, das irritiert und wirft Fragen auf. Auf der Suche nach seiner Geschichte gibt es viel Spannendes zur 100 Jahre alten Staatsgrenze zu entdecken.

Im „Gletscherraum“ werden die Knochen des abgestürzten Mulis gezeigt und weitere Gletscherfunde vorgestellt.

Wie kam ein Fahrrad mit einem Gewicht von rund 15 Kilogramm auf den Rotmoosferner, der zwischen 1920 und 1970 steil und stark zerklüftet ins Rotmoostal abfiel und nicht ungefährlich zu begehen, geschweige denn zu befahren war? Wurde das (vermutlich in Italien hergestellte) Rad von italienischer Seite her von Pfelders über einen steilen, felsigen Pfad 1.400 Höhenmeter hinauf getragen? Falls dies der Fall war, wer hätte dieses im Hochgebirge völlig nutzlose Sportgerät aus welchem Grund dort hinauf getragen? Und warum blieb es dort am höchsten Punkt des Gebirgsüberganges und nahe der Grenze liegen? Lassen die starken Schäden am Hinterrad, am Sattel und der Mittelstange sowie an den Pedalen und am Lenker auf einen Unfall schließen, oder entstanden diese Schäden erst im Laufe der Jahrzehnte, während derer das Rad eingeschneit am Gletscher lag? Steht der Fundort des Fahrrades mit der nahe gelegenen Zollwachhütte in Verbindung, wurde es vielleicht als Transportvehikel für Waren verwendet und an der Grenze beschlagnahmt und weggeworfen? Diente es – angesichts des unwegsamen und im Vergleich zum Timmelsjoch weniger überwachten Grenzübergangs – als Fluchtfahrzeug, das im unwegigen Gelände getragen wurde, im Anschluss aber ein schnelleres Fortkommen bedeuten hätte können? Handelte es sich um einen Spaß, vielleicht um eine Wette – für die sich die enormen Anstrengungen, ein schweres Rad steile Bergpfade hinauf zu tragen, hoffentlich gelohnt hatten?

Fragen rund um das „Gletscherrad“ werfen Schlaglichter auf die Geschichte der Grenze.

Wann

27. 6. 2019
19 Uhr