zurück zur Übersicht

Siedlungsentwicklung im Hochgebirge

Auf großes Interesse stieß  der Vortrag von Univ.-Prof. Dr. Kurt Scharr im Turmmuseum. Der Historiker und Geograf gab am Beispiel vieler historischer Karten und Bilder einen kompakten Überblick über die Siedlungsentwicklung des hinteren Ötztales.

Kurt Scharr machte deutlich: Wo heute Berge, Jöcher, Wasserscheiden als „natürliche Grenzen“ empfunden werden, da wirkten die Passübergänge bis vor 100 Jahren vielmehr als Klammern und Verbindungen, die von beiden Seiten des Tales nicht nur intensiv genutzt wurden, sondern auch grundherrschaftlich verbanden. So gehörten gehörten Vent und Rofen in kirchlicher Hinsicht seit dem Hochmittelalter zum Bistum Chur und der Großpfarre Tschars im Vinschgau, das Gurgler- und das Ventertal ab Winterstall talauswärts richteten sich kirchlich nach der Passeirer Pfarre St. Leonhard. Ebenso waren die Höfe in Zwieselstein und Gurgl Bestandteil des Gerichts Passeier, während weiter nördlich im Ötztal das Grundherrenzins nach Frauenchiemsee oder Stams im Inntal geleistet werden musste. Ein Relikt der engen strukturellen Verbindungen ist bis heute der Schaftrieb, der sogar über die vergletscherten Jöcher vom Schnalstal aus jeden Sommer auf Ötztaler Weidegründe unternommen wird. Die engen kirchlichen, strukturellen und wirtschaftlichen Verbindungen zeigten auch Wirkung im familiären Bereich: Ein großer Anteil an Schreibnamen der Familien im hinteren Ötztal stammen nachweislich aus dem südlichen Passeier.

Edith Hessenberger und Kurt Scharr begrüßen das zahlreich erschienene Publikum.

Im Anschluss lud der Turmmuseumsverein im Museumscafe zum Austausch und gemütlichen Beisammensein.